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Konzeption der Inneren Führung

Beim politischen Neuaufbau Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg kam es darauf an, aus der Vergangenheit zu lernen. Als erste Konsequenz gab sich der 1949 neu entstehende Staat Bundesrepublik Deutschland eine neue Verfassung, das Grundgesetz, das als die freiheitlichste Verfassung in der deutschen Geschichte überhaupt gilt. Mit Artikel 1, Absatz 1, wurde als Antwort auf die jüngste Geschichte die neue Richtung vorgegeben. Damit wurde ein völlig neues Werte- und Normensystem in Kraft gesetzt, das radikal mit der kollektivistisch orientierten Ideologie des Nationalsozialismus brach. Der Mensch als Individuum sollte im Mittelpunkt allen staatlichen Handelns stehen.

Väter der Inneren Führung v.l.n.r. Generalleutnant Ulrich de Maizière, Generalleutnant Wolf Graf von Baudissin und General Johann Adolf Graf von Kielmansegg bei einer Auszeichnung für Ihre geleisteten Dienst

Väter der Inneren Führung v.l.n.r. Generalleutnant Ulrich de Maizière, Generalleutnant Wolf Graf von Baudissin und General Johann Adolf Graf von Kielmansegg bei einer Auszeichnung … (Quelle: ZInFü)Größere Abbildung anzeigen

Die Entstehung

Mit dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum 05. Mai 1955 wurde auch die Frage eines nationalen Wehrbeitrages grundsätzlich entschieden. Die historisch einmalige Herausforderung, neu aufzustellende Streitkräfte in ein bestehendes Staatswesen einzubinden, galt es zu meistern.

Ziel dabei war, das Menschenbild unseres Grundgesetzes auch für den Soldaten zur verbindlichen Vorgabe zu machen. Er sollte Soldat mit allen verfassungmäßigen Rechten als Staatsbürger sein. Seine Rechte sollen nur insoweit eingeschränkt werden, wie dies für die Aufrechterhaltung der Funktion der Streitkräfte geboten ist. Dieses Spannungsfeld verdeutlicht das folgende Bild:

Aus diesen Vorgaben heraus entwickelte man im Amt Blank unter der Leitung von Wolf Graf von Baudissin eine Konzeption, mit deren Hilfe die unverzichtbare hierarchische Struktur der neu aufzubauenden Armee mit ihrem Prinzip von Befehl und Gehorsam mit den Grundrechten des Bürgers in Einklang gebracht und ein "Staatsbürger in Uniform" geschaffen werden sollte. Diese Konzeption wird seit 1953 offiziell als „Innere Führung“ bezeichnet.

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Eckpfeiler der Konzeption

Durch die Innere Führung ist das Werte- und Normensystem des Grundgesetzes mit den Grundsätzen von Führung, Ausbildung und Bildung in der Bundeswehr verträglich verbunden.

Wichtige Vorgaben für die Konzeption bestehen in:

  • dem Primat der Politik mit zivilem Oberbefehl und parlamentarischer Kontrolle,
  • der Bindung an Recht und Gesetz,
  • dem Verzicht auf eine eigene Wehrgerichtsbarkeit,
  • der Begrenzung der Befehlsbefugnisse,
  • Mitverantwortung im Gehorsam,
  • Der Trennung von Aufgaben und Befugnissen der Streitkräfte von der zivilen Wehrverwaltung.

Von herausgehobener Bedeutung ist die Institution des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, der über die Wahrung der Grundrechte und über das Einhalten der Grundsätze der Inneren Führung in den Streitkräften wacht und als unmittelbare Appellationsinstanz für alle Soldaten dient.

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Zweckbestimmung

Die Innere Führung dient einem doppelten Zweck:

Zum einen ist sie Gestaltungsprinzip für die Innere Ordnung der Streitkräfte und die Beziehungen zwischen Bundeswehr, Staat und Gesellschaft.

Auf der anderen Seite ist Innere Führung eine Normenlehre für die Menschen in den Streitkräften, das heißt, für das Verhalten der Soldaten und ihren Umgang miteinander. Sie enthält konkrete Forderungen an das Führungsverhalten der militärischen Vorgesetzten.

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Ziele und Grundsätze

Aus dieser Zweckbestimmung ergeben sich die Ziele der Inneren Führung:

1. Legitimation
Ethische Normen und politische und rechtliche Begründungen des soldatischen Dienstes werden vermittelt, damit der Sinn des militärischen Auftrages einsichtig und verständlich wird.

2. Integration
Die Einbindung der Bundeswehr und des Soldaten in Staat und Gesellschaft wird gefördert und das Verständnis für die Aufgaben der Bundeswehr im Bündnis und in Systemen kollektiver Sicherheit geweckt. Unterschiede zwischen den Verhältnissen in den Streitkräften und dem zivilen Umfeld müssen auf das für die Auftragserfüllung notwendige Maß beschränkt und einsichtig gemacht werden.

3. Motivation und Mitverantwortung
Die Bereitschaft des Soldaten zur gewissenhaften Erfüllung seiner Pflichten, zur Übernahme von Verantwortung und zur Zusammenarbeit wird gestärkt.

4. Gestaltung der Inneren Ordnung
Die innere Ordnung der Streitkräfte ist nach den Vorgaben unseres Grundgesetzes menschenwürdig und rechtsstaatlich zu gestalten. Zugleich muss sie an den militärischen Aufgaben ausgerichtet sein und eine effiziente Auftragserfüllung sicherstellen.

Diese Ziele werden anhand von Grundsätzen in verpflichtende Vorgaben für Führung und Ausbildung in der Bundeswehr umgesetzt. In diesen Grundsätzen werden die Stellung der Streitkräfte und des Soldaten im Staat sowie Vorgaben für das Gestalten der inneren Ordnung wie das Verhalten von Führern und Geführten dargestellt. Die Beachtung dieser Grundsätze im täglichen Dienst ist Aufgabe aller Soldaten, besonders aber der Vorgesetzten.

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Gestaltungsfelder

Aus den Zielen und Grundsätzen werden Ansprüche an das Handeln abgeleitet. Die Zentrale Dienstvorschrift A-2600/1 Innere Führung – Selbstverständnis und Führungskultur nennt zehn ausgewählte Gestaltungsfelder, die in einer engen Wechselbeziehung zueinander stehen, den Dienstbetrieb in besonderer Weise prägen und erhebliche Anforderungen an das Führungsverhalten der Vorgesetzten stellen.

  • Menschenführung
  • Politische Bildung
  • Recht und Soldatische Ordnung
  • Dienstgestaltung und Ausbildung
  • Informationsarbeit
  • Organisation und Personalführung
  • Fürsorge und Betreuung
  • Vereinbarkeit von Familie und Dienst
  • Seelsorge und Religionsausübung
  • Sanitätsdienstliche Versorgung

Mit diesen Gestaltungsfeldern wird deutlich, dass Innere Führung kein isoliertes Ausbildungsgebiet oder ein besonderes Organisationselement ist, sondern Aufgabe für jeden Soldaten. Sie durchdringt als grundlegendes Führungs- und Verhaltensprinzip den gesamten Dienst in den Streitkräften und ist, wie man in der freien Wirtschaft sagt, die „Unternehmenskultur“ der Bundeswehr.

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Staatsbürger in Uniform

Die Ziele der Inneren Führung werden im Leitbild des Staatsbürgers in Uniform verdeutlich, in welchem sich in idealtypischer Weise drei Elemente verbinden.

  • Die freie Persönlichkeit, das heißt, der Mensch mit seiner individuellen Würde und seinen im Grundgesetz verbrieften Freiheits- und Menschenrechten,
  • der verantwortungsbewusste Staatsbürger, der aus Einsicht und Verantwortungsgefühl gegenüber dem Gemeinwesen seine eigenen Vorstellungen und Absichten mit denen der anderen ausgleicht und an der Gestaltung dieses Gemeinwesens mitwirkt, und
  • der einsatzbereite Soldat, der den militärischen Dienst als einen Beitrag zur Landesverteidigung, aber auch zur Sicherung des Friedens und der Menschenrechte in der Welt begreift und bereit ist, hierfür auch unter Einsatz seines Lebens zu kämpfen.

An diesem Leitbild haben sich militärische Führung, Ausbildung und Erziehung in den Streitkräften zu orientieren.

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Fortentwicklung der Konzeption

Die Innere Führung enthält statische und veränderbare Anteile. Ihre Grundsätze jedoch, die aus den Normen des Grundgesetztes abgeleitet sind, entziehen sich einer streitkräfteinternen Veränderung. Diese tragenden Elemente der Inneren Führung sind nur durch den Gesetzgeber veränderbar.

Dynamisch ist an der Inneren Führung vor allem die Umsetzung ihrer Ziele und Grundsätze in der Praxis. Mit Veränderungen des Auftrages der Streitkräfte, aber auch mit dem Wandel staatlicher, politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, kann sich Innere Führung Neuerungen nicht verschließen und muss Anpassungen vornehmen – besonders in Ausbildung und Lehre.

„Jeder Soldat muss wissen und verstehen, wofür er ausgebildet
und gegebenenfalls eingesetzt wird.
Er soll überzeugt sein, dass sein Auftrag politisch notwendig,
militärisch sinnvoll und moralisch begründet ist.“

BMVg: Weisung zur Durchführung der politischen Bildung in den Streitkräften ab 01. Januar 1996

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Stand vom: 25.11.15


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